† In Memoriam: Prof. Dr. William F. «Bill» Fry


Fry

Mit grosser Betroffenheit mussten wir erfahren, dass Prof. Dr. William F. «Bill» Fry, Jr., am 16. Mai dieses Jahres von uns gegangen ist. Dies ist nicht nur ein sehr schmerzlicher Verlust für seine drei Kinder und sechs Enkelkinder, sondern auch für seine vielen Freunde und Weggefährten. Dazu gehören die Berufskollegen von der Stanford University (Kalifornien), der American Psychiatric Association (die ihm den ehrenvollen Titel eines Distinguished Life Fellow verlieh), und nicht zuletzt der International Society for Humor Studies (deren Gründungsmitglied er war). Grosse Betroffenheit herrscht auch in der nordamerikanischen Association for Applied and Therapeutic Humor, die William Fry mit dem Lifetime Achievement Award geehrt hat. Auch ausserhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus zeigten sich viele KollegInnen berührt. An erster Stelle Mitglieder der spanischen Academia de Humor und unserer HumorCare-Vereine in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Vielleicht war Bill HumorCare besonders verbunden, denn seit der Zeit der ersten Basler Humorkongresse, die er so aktiv gefördert hatte, war Bill Ehrenmitglied von HumorCare Schweiz (1997): Mit Beat Hänni, dem Präsidenten von HumorCare Schweiz verband ihn eine langjährige Freundschaft, die durch gemeinsame Referatsauftritte im Rahmen der «International Society for Humor Studies» gefestigt wurde. Anlässlich seines letzten Treffens mit Bill in Nordkalifornien, zitierte ihn Beat im HumorCareBlatt wie folgt: «Seit meiner Jugend begleitet mich ein schalkhafter Doppelgänger, eine Art Hofnarr, der mir bei wichtigen Entscheiden in meinem Leben über die Schulter guckt». Vor dem Medizinstudium interessierten ihn Literatur und Menschenkunde? und dort sei er auf den Humor als «Konzept des Paradoxen in der Kommunikation» gestossen. «Das ist deine Berufung» habe ihm sein Alter Ego zugeflüstert! Glückliche Umstände hätten auch mitgespielt, die ihm erlaubten, den Humor und das Lachen wissenschaftlich zu untersuchen: ein Stipendium und die unmittelbare Nähe einer Firma, die medizinische Messgeräte produzierte. Sie ermöglichten Frys Arbeiten, die hinlänglich bekannt sind und ihn zum Pionier der Lach- und Humorforschung machten. Begeistert berichtet er sodann von neuen Erkenntnissen, die er zusammen mit einem Herzgefäss-Spezialisten publiziert hatte. Dank bildgebender Methode konnte gezeigt werden, wie die durch das Lachen ausgeschütteten Hormone (Endorphine) durch Rezeptoren an der Innenwand der Blutgefässe aufgenommen werden. Dies wiederum macht Enzyme frei, die zu einer Ausweitung der Blutgefässe (z.B. Arterien) führt. Damit verbunden ist eine Erleichterung der Blutzirkulation und Sauerstoffzufuhr mit all den positiven Effekten auf den menschlichen Organismus.1

Die freundschaftliche Beziehung zwischen Bill Fry und Beat Hänni führte dazu dass Bill auf diesem Wege auch den Mitgliedern von HumorCare Schweiz näher bekannt gemacht werden konnte.
Mit Michael Titze wurde Bill Fry bereits 1983 bekannt. Damals ging es darum, Autoren für den Sammelband «Humor in Psychotherapy» zu finden. Über die Vermittlung von Viktor Frankl, den Bill seit den sechziger Jahren kannte, wurde der Kontakt zu Michael hergestellt, der volle dreissig Jahre aufrecht erhalten blieb und dazu führte, dass Bill häufig Gast in Deutschland (namentlich bei den Humorkongressen im Stuttgarter Hospitalhof) war. Dort wurde er an einem sonnigen Maitag im Jahre 2003 zum Ehrenpräsidenten von HumorCare Deutschland ernannt.

Wie soll man einen Mann würdigen, der die weltweite Entwicklung der Gelotologie / Psychoneuroimmunologie und des Therapeutischen Humors so nachhaltig beeinflusst hat? Bills wissenschaftlichen Arbeiten über Humor und Lachen sind zu zahlreich, um hier zu erwähnen. Doch sie beeinflussten – wie allein schon der von ihm geschaffene Begriff «Gelotologie» zeigt – unser allgemeines Verständnis über die Wirkkraft des genuin menschlichen Phänomens Lachen fundamental und nachhaltig.

Bekanntlich ist Bill Fry der Begründer der evidenzbasierten Humor- und Lachforschung (Humorologie/Gelotologie). Das alle begann 1953, als sich Bill, der seit kurzem Psychiatrie an der Stanford University lehrte, an einem Forschungsprojekt zu beteiligen, das sich mit der kommunikativen Bedeutung von Paradoxien befasste: in der Dichtkunst, in Träumen, in der Interaktion von Delfinen – und im Humor. Bill hatte sich schon in seiner Schulzeit als Spassmacher hervorgetan und sich für alle Formen von Komik und Slapstick interessiert. Daher war es naheliegend, dass er die Funktion des Humorbeauftragten in dieser – inzwischen weltbekannten – «Palo Alto Gruppe» übernahm. Ihr offizieller Name war «Mental Research Institute». Über Jahre gab es für Bill eine ergiebige Zusammenarbeit mit Forschern wie Gregory Bateson, Don Jackson, Virginia Satyr, Jay Haley, Paul Watzlawick (Bills direkter Zimmernachbar im Insititut!) und John Weakland. Es ging damals vor allem um Familienforschung bzw. um die Bedeutung von Beziehungsfallen («Double binds«) in schizophrenogenen Familien.
Bill war, wie gesagt, für den humorbezogenen Aspekt dieser Forschung zuständig, was zur damaligen Zeit von vielen Fachkollegen entweder belächelt wurde oder auf völliges Unverständnis stiess (nach dem Motto: «Why waste your time with something so ridiculous as humor!») Noch in den späten sechziger Jahren wurden Artikel, die Bill in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichte, wegen ihres Bezugs zur Humorforschung von Fachkollegen heftig kritisiert!

Als Resümee seiner Arbeit beim Mental Research Institute (MRI) schrieb Bill das Buch Sweet Madness, das 1963, ein Jahr nach seinem Ausscheiden aus dem MRI, publiziert wurde. Ein weiteres Jahr später gründete er das weltweit erste gelotologische Institut, das sich mit der sog. Humorphysiologie, also den körperlichen Auswirkungen von Humorreaktionen (Heiterkeit, Lachen) befasste. Bill musste dieses Institut aus eigenen Mitteln finanzieren, weil – wie gesagt – die Scientific Community erheblichen Zweifel hatte, ob die Humor- und Lachforschung den wissenschaftlichen Standards genügen würde. 1975 publizierte Fry in Ko-Autorenschaft mit Melanie Allen eine Studie über professionelle Komiker. In den Jahren 1987, 1993 und 2001 gab Fry, zusammen mit Waleed A. Salameh, drei wegweisende Handbücher zum Thema Humor in der Psychotherapie heraus.

Alle, die Bill kannten, wissen auch, dass sein Interessenspektrum riesig war. Neben der Humorforschung begeisterte er sich zum Beispiel für die String- und Chaos-Theorie. Er verfasste, als versierter Önologe, eine monatliche Kolumne über Spitzenweine in einem renommierten Feinschmeckerjournal. Und natürlich darf man sein besonderes Steckenpferd, die Ahnenforschung, nicht vergessen. Die Suche nach den Ursprüngen seiner Familie führte ihn immer wieder nach Deutschland und in die Schweiz, wo sich einer seiner Altvorderen mit Namen Frey vor rund 200 Jahren aus dem St.-Gallischen auf den Weg nach Amerika machte.

Bill, Du wirst uns fehlen! Wir werden Deinen feinsinnigen Humor, Deine Eloquenz und Deine Inspiration schmerzlich vermissen. Doch es bleiben uns Deine Schriften und die Erinnerung an Dich!
Michael Titze

1 Auszug aus dem Artikel von Beat Hänni im HumorCareBlatt 17-3, Juni 2012.


† In Memoriam: René Schweizer, der Humorist, Schriftsteller und Mitbegründer der Humorkongresse in Basel, ist im Alter von 71 Jahren gestorben.


Aus: Ein Abschied von Martina Rutschmann, Basellandschaftliche Zeitung, 14.06.2015

René Schweizer
Foto: Basile Bornand, tageswoche.ch

Und plötzlich bist Du nicht mehr da. Vor dem «Adler» in der Ochsengasse hast Du noch gesessen, bevor Du in Deine Alterswohnung im Nachbarshaus zurückkehrtest. Du wolltest schlafen gehen, bist gestürzt, gestorben. Einfach so. Ach, René, die Lücke, die Du hinterlässt, ist gewaltig. Keiner ist annähernd wie Du; keiner spaziert im Wald und fragt sich aus dem Nichts: «Was gibt es Verrückteres als ein Velosolex?» Die Gedanken fängst Du ein, sagst Du, und verflechtest sie. Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, gehören plötzlich zusammen, als wäre es nie anders gewesen. Es ist der Nonsens, der Dich begleitet hat, den Du ausgereizt hast, nie blöd, nie unlogisch, obwohl es gerade die Logik war, mit der Du nichts anfangen konntest. Deinen Verstand hast Du verloren, damals, in den Siebzigerjahren, doch das Fundbüro konnte Dir nicht helfen. Niemand hat ihn dort abgegeben, Deinen Verstand, aber jeder in Basel und in der restlichen Schweiz wusste: Da gibt es einen, der absurde Briefe an die Behörden schreibt – und stets Antworten von ebendiesen erhält ...
Zum ganzen Artikel:
BZ Basel: Der «Meister des Blödsinns» ist tot
Der Humorist und Schriftsteller René Schweizer ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Ein Abschied. Von Martina Rutschmann.

BZ-Artikel als PDF:
BZ Basel: Der «Meister des Blödsinns» ist tot.pdf

Tageswoche:
Michael Titze: «Leb' wohl in Deiner neuen Welt, René!»

Tageswoche-Artikel als PDF:
Michael Titze: Leb' wohl in Deiner neuen Welt, Rene.pdf

www.rene-schweizer.ch – Webmaster Guido Studer:
René Schweizer, Zum Abschied

Erinnerungen an René Schweizer (aus Hommage)
Michael Titze: Erinnerungen an René Schweizer.pdf

SRF - Regionaljournal Basel/Baselland (Audio - ab 16':10''):
Basler Stadtoriginal René Schweizer ist 71-jährig gestorben

humor.ch:
Gute Reise wünschen wir Dir, lieber René, in die ewigen Lachgründe:

Enrico Luisoni, humor.ch: Nach- und Rückruf an René Schweizer.pdf

Tageswoche-Artikel zum 70. Geburtstag von René Schweizer 2013:
Der Meister des Blödsinns.pdf

 

René Schweizer (*1943 – †2015):

Es ist die Welt
ausserhalb meiner Seele,
die mich verwirrt,
beleidigt
und oft
mit wildem Zorn erfüllt.

Aber Zorn ist schädlich.
Heilsam ist bloss
das Lachen,
die unbändige Kraft
des zügellosen Schabernacks -
Gaga à gogo,
Dada à la carte,
Blabla al dente.

Der Schabernack ist so frei wie nichts sonst.
Er erschafft sich die Regeln seines Spiels nach Bedarf
und verändert sie nach Lust und Laune.

rene_schweizer