Humorkongress Basel 2017 – Radiosendungen

OE1/ORF1
Radiokolleg OE/ORF 1 – Humor ist eine ernste Sache
Die Fähigkeit zur Heiterkeit (in 4 Teilen)

(Gestaltung: Nikolaus Scholz)

Teil 1: Roman F. Szeliga, Der österreichische Humorexperte Nr. 1


Teil 2: Barbara Wild, Neurologin / Willibald Ruch, Uni Zürich


Teil 3: Laura Chaplin: Über ihren Grossvater Charlie (Humorkongress 2017)


Teil 4: Julia Sobieszek, Künstleragentur Kabarett- und Schauspielszene


Schenken Sie uns und Ihnen ein Lächeln. Schon der Begründer der Evolutionstheorie Charles Darwin (1809–1882) postulierte den allgemeingültigen Charakter von Lachen und Lächeln. Und der französische Philosoph Henri Bergson (1859–1941) schrieb über die soziale Funktion des Lachens: «Unser Lachen ist stets das Lachen einer Gruppe. Das freieste Lachen setzt immer ein Gefühl der Gemeinsamkeit, fast möchte ich sagen, der Hehlerschaft mit anderen Lachern voraus».

Gesunde Kinder bringen es übrigens am Tag auf rund 400 Lacher, wenn man Kichern, Wiehern, Grölen und andere Formen des «Fröhlichseins» addiert. Wenn sie grösser werden, fällt die statistische Lachkurve steil ab. Erwachsene lachen durchschnittlich nur noch 15-mal am Tag – wenn überhaupt. Es droht also im Laufe des Lebens ein Humor-, Heiterkeits- bzw. Lachdefizit – zu Lasten von Seele, Geist und Körper und damit nicht nur von Lebensqualität, sondern auch Leistungsfähigkeit.

Lachen kann in vielen Situationen befreiend und entwaffnend wirken, und erlaubt uns auch, die Angst vor anderen Menschen zu überwinden. Und es verbessert die Leistungsfähigkeit unseres Denkorgans. Laut dem kanadischen Psychologen und Lachforscher Rod Martin beschleunigt Lachen unter anderem den Herzschlag und erhöht so die Sauerstoffversorgung des Gehirns. «If you can laugh at it, you can survive it», traf der US-amerikanische Komiker Bill Cosby den Nagel auf den Kopf: Worüber man lachen kann, darüber kann man auch hinwegkommen. Wer lernt, sich über seine Missgeschicke zu amüsieren, anstatt den Ärger in sich hineinzufressen, fördert seine Kreativität und findet leichter Problemlösungen.

Die Idee, das Lachen auch therapeutisch genutzt werden kann, wird seit Mitte der 1980er-Jahre in Amerika mit wachsendem Erfolg praktiziert, und schwappte 10 Jahre später auch nach Europa. In Österreich besuchen die Cliniclowns sowie die Rote Nasen Clowndoctors regelmässig schwerstkranke Kinder und Erwachsene in Spitälern, um sie ihre Schmerzen und ihr Leid für kurze Zeit vergessen zu lassen. Die «Clowntherapie» stellt eine additive Möglichkeit zur Schulmedizin dar, auf den Genesungsprozess positiv einzuwirken.

Auch das 1995 von einem indischen Arzt und seiner Frau begründete Lach-Yoga hat mittlerweile nahezu die ganze Welt erobert. Das Konzept des grundlosen Lachens reduziere Stress, stärke das Immunsystem und schütte Glückshormone aus. Das behaupten zumindest alle, die am Lach-Yoga aktiv teilgenommen haben.


LINKS:
Omar Sarsam

Stuttgarter Lachschule

Dr. Roman F. Szeliga

Markus Proske – Demenz Kompetenz

bösel's

Dr. Eckhart von Hirschhausen

CliniClowns

Rote Nasen

Cottage Apotheke – Lachzentrum

Sobieszek

Humor hilft heilen

Universität Zürich – Charakter stärken


BÜCHER:
Laura Chaplin, Lachen ist der erste Schritt zum Glück (Hoffmann&Campe)
Ulrich Fey, Clowns für Menschen mit Demenz. Das Potenzial einer komischen Kunst (Mabuse)
Michael Niavarani, Ein Trottel kommt selten allein (Amalthea)
Markus Proske, Der Demenz Knigge (erscheint Dez. 2017)
Julia Sobieszek, Zum Lachen in den Keller (Amalthea)
Roman F. Szeliga, Frustschutzmittel – Wie Sie es schaffen, alles halb so schlimm oder doppelt so gut zu finden (Midas)
Michael Titze, Die heilende Kraft des Lachens (Kösel), vergriffen!
Michael Titze, Inge Patsch, Die Humor Strategie – Auf verblüffende Art Konflikte lösen (Kösel)
Barbara Wild, Humor in Psychiatrie und Psychotherapie: Neurobiologie – Methoden – Praxis (Schattauer)
Doris Bach, Birgit Rathmaier, Wolfgang Sünder "Wenn dir ein Clown ins Leben tanzt" (Mandelbaum Verlag)